Aktuelles

Ein Jahr WSB-Joblotse

W.I.R. bringt Arbeitgeber und Arbeit suchende Flüchtlinge zusammen

Herbert Scheel und Praktikant Mohammad Ismail

Klaus Fischer (v.l.), Mohammad Abdo und Petra Nitzbohn-Grimberg

Klaus Fischer und Mohammad Abdo tauschen Daten für das nächste Treffen aus

Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast (v.l.), Joblotse Klaus Fischer und WSB-Geschäftsführer Marc Wilken

Seit Juli 2017 gibt es die „W.I.R-Dependance Bergedorf“, die wie der Jobcenter-Standort den Sitz im ehemaligen Finanzamtsgebäude am Ludwig-Rosenberg-Ring hat. Und seitdem ist auch Klaus Fischer (66) als „Joblotse“ dort im W.I.R-Unternehmensservice aktiv als Vermittler beim Zusammenbringen von Arbeitgebern und Arbeit suchenden Flüchtlingen. Fischer, der als Vertreter des Bergedorfer Wirtschaftsverbands (WSB) eine Halbtagsstelle bekleidet, zieht eine positive Zwischenbilanz: „Wir haben in den ersten zwölf Monaten gute Aufbauarbeit geleistet, stetig die direkten Kontakte zur Wirtschaft ausgebaut und eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten angeschoben!“

Darunter ist Mohammad Abdo (43) aus Afrin (Syrien). Er hatte vor seiner Flucht eine eigene kleine Metallschlosserei und will in Hamburg wieder als Schlosser arbeiten. Nach Integrations- und Deutschkursen hat er bei der Firma Nitzbon AG in Lohbrügge, Hersteller ergotherapeutischer Erzeugnisse, ein erstes Praktikum absolviert. „Herr Abdo hat sehr fleißig und zuverlässig gearbeitet und war beeindruckt von unserem Arbeitsschutz“, sagt Chefin Petra Nitzbon-Grimberg. Nach seinem zurzeit laufenden zweiten Sprachkurs ist ein weiteres Praktikum geplant bei der Dwenger Laser und Feinblechtechnik GmbH, ebenfalls einem WSB-Mitglied.

Und Fischer hat beispielsweise auch den 22 Jahre alten Syrer Mohammad Ismail aus Damaskus in ein Praktikum bei der Firma Scheel Elektrotechnik GmbH in Kirchwerder, ebenfalls WSB-Mitglied, vermittelt. Er ist dort jetzt nach einem Praktikum und weiterem Sprachkurs als Helfer tätig. Wenn im kommenden Jahr die Deutschkenntnisse sich weiter verbessert haben, wird der junge Syrer bei Scheel eine dreieinhalbjährige Lehre als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beginnen. „Wir sind mit Herrn Ismail sehr zufrieden“, sagt Firmenchef Herbert Scheel, „Herr Fischer hat uns einen guten Mitarbeiter vermittelt und uns bei der Abwicklung der Formalitäten unterstützt und beraten."

Das Hamburger Vorhaben W.I.R - work and integration for refugees wurde 2015 von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, der Agentur für Arbeit Hamburg und Jobcenter team.arbeit.hamburg gegründet, um Geflüchtete möglichst schnell und nachhaltig in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Inzwischen hat das Vorhaben neben seinem Hauptsitz am Millerntorplatz zwei Außenstellen in Harburg und in Bergedorf. SPD, CDU und Grüne hatten im November 2016 in der Bergedorfer Bezirksversammlung und anschließend im Wirtschaftsausschuss ihren gemeinsamen Antrag für die W.I.R-Außenstelle Bergedorf und den Joblotsen beschlossen. Dank der Einbindung des WSB Unternehmensnetzwerkes von 180 Firmen kann der W.I.R-Unternehmensservice Bergedorf schnell und gezielt Firmen für Geflüchtete suchen oder als Berater nutzen, wenn es darum geht Berufseinstiegsideen zu entwickeln. Bergedorf ist auf diese Weise in der Vermittlung besonders aktiv. WSB-Geschäftsführer Marc Wilken: „Mit Klaus Fischer haben wir den richtigen Netzwerker und Beziehungshersteller zwischen Behörden, Ämtern, Unternehmen und den geflüchteten Menschen gefunden.“

Klaus Fischer ist Bergedorfer, hat viele Jahre bei der Handwerkskammer Hamburg die Bezirksarbeit des Handwerks unter anderem auch in Bergedorf geleitet - und ist vielen Unternehmern der Region gut bekannt. Durch frühere Tätigkeiten, darunter auch die Förderung der Außenhandelsbeziehungen mit den Ländern im Nahen Osten, verfügt er über Orient-Kenntnisse.

Auch Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast hat sich positiv zum WSB Engagement bei W.I.R geäußert: „Mit dem WSB haben wir im Bezirk einen starken lokalen Player, auf den wir bauen können, um gute Integrationsarbeit zu leisten. Herr Fischer ist im Bezirksamt seit langem bekannt. Er ist hier im Bezirk zu Hause und spricht die Sprache der Unternehmer. Wir sind gut aufgestellt und werden in der Vermittlungsoffensive erfolgreich sein.“

Fischer hat sein Büro in der vierten Etage bei der W.I.R-Außenstelle in Bergedorf. Fischer: „Ich spreche mit Unternehmern, höre mir an, welchen Bedarf an Arbeitskräften sie haben. Und ich trete in Kontakt mit Flüchtlingen, die bei W.I.R oder beim Jobcenter-Standort Bergedorf als arbeitsuchend registriert sind und zum Unternehmensservice kommen. Letztlich müssen aus den Wünschen und Anforderungen von Arbeitgebern und Bewerbern berufliche Einstiegsmöglichkeiten und möglichst passgenaue Entwicklungswege entwickelt werden. Ob die berühmte Chemie stimmt, dass gilt es, in einem Praktikum zu testen und auszuprobieren! Besonders das horizontal aufgestellte W.I.R-Vorhaben erweist sich beim Bestreben um Komplettlösungen immer wieder als sehr effektiv!“