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Onlinehandel wächst

Was unternimmt Bergedorfs Wirtschaft?

Heiner Schote (Handelskammer) moderierte die Veranstaltung

Florian Komossa (v.l.), Oliver Ohm, Marc Wilken, Frank Bräuer und Heiner Schote

„Wir stehen in Bergedorf vor Herausforderungen, aber es besteht kein Grund zur Panik“. Mit diesem Satz machte WSB-Geschäftsführer Marc Wilken den Stand der Dinge um die allgemeine Wirtschaftslage am Einzelhandelsstandort Bergedorf deutlich.

Der WSB, die „Gebietsentwicklung Bergedorf-Süd“, das BID Sachsentor und die Handelskammer Hamburg hatten für Montag, 9. April, 2018, zu einer Abendveranstaltung ins Bergedorfer Schloss eingeladen, um über „Mein Bergedorf - Perspektiven für Handel und Gewerbe“ zu diskutieren. Gut 60 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zählte die Veranstaltung.

Heiner Schote (Handelskammer Hamburg) verwies in seiner Begrüßungsrede auf die strukturellen Veränderungen für den Einzelhandel durch das Internet, durch zunehmenden Onlinehandel. Oliver Ohm (BBE Handelsberatung GmbH): „Einerseits hört man, dass der Einzelhandel wächst, andererseits geht der Umsatz zurück. In der Wirtschaft gab es schon immer Gewinner und Verlierer. Derzeit zählt der Onlinehandel zu den Gewinnern. Der Umsatz des E-Commerce lag im Jahr 2000 in Deutschland noch bei einer Milliarde Euro, vergangenes Jahr waren es bereits 58,4 Milliarden Euro. Amazon beeinflusst unser Einkaufsverhalten am stärksten. Der Einkauf von Bekleidung hat mit 23,5 Prozent den größten Anteil. Erwachsene sind täglich im Durchschnitt fast vier Stunden im Internet.“ Ohm empfiehlt: „Jeder Händler hat die Möglichkeit, sich im Internet zu präsentieren. Aber er muss auch gefunden werden.“ Dabei geht es um beste Harmonie mit Google, dem größten Suchdienstleister im Internet.

Dazu schloß sich der Beitrag des Bergedorfer Unternehmers Frank Bräuer an, der mit einem Akkutausch-Unternehmen überwiegend Online Geschäfte abwickelt und zudem für Bergedorfer Unternehmen die Online-Plattform www.mein-bergedorf.de betreibt. Bräuer machte deutlich, dass eine eigene Website ständig auf dem Laufenden zu halten, schon aus Zeitgründen nicht für jeden Unternehmer machbar ist. Aber in der Gemeinschaft bei „mein-bergedorf“ sei das deutlich einfacher und wirksamer. Bräuer: „Regionales Onlinemarketing ist Pflicht. Soziale Medien sind zu nutzen.“

Auch Florian Komossa von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) hält die Installation von Online-Angeboten zum Überleben des stationären Einzelhandels für notwendig. Dem Bergedorfer Einzelhandel empfiehlt er den Erhalt der kompakten Strukturen. Kritik übt er an bis zu 40 Laden-Leerständen im Innenstadtbereich zwischen Lohbrügger Markt/Alte Holstenstraße bis Sachsentor/Mohnhof. Mietpreisforderungen der Grundeigentümer gehörten auf den Prüfstand.

Ladenleerstände, das mangelhafte Engagement einiger Grundeigentümer für den Erhalt des stationären Einzelhandels wurde in der anschließenden Diskussion vielfach angeprangert. Komossa schlug vor, bei Bedarf leerstehende Ladenflächen verschiedener Eigentümer zusammenzulegen. Um wirtschaftlich arbeiten zu können seien 150 Quadratmeter Einzelhandelsfläche Minimum.

WSB-Geschäftsführer Marc Wilken sieht wegen der wachsenden Einwohnerzahlen in Bergedorf (derzeit rund 125.000) und dem schleswig-holsteinischen Umland auch einen weiteren Anstieg der Kaufkraft. Wilken: „In Bergedorf kaufen mehr Menschen ein als hier wohnen. Ich sehe die Innenstadt frequentiert. Aber die Frequenz in den Läden ist zum Teil dramatisch rückläufig. Es gibt aber auch Branchen mit Zuwachs.“